Wilfried Goretzki

Als wir am Dienstag (16.11.2021) in unserer Kirchengemeinde St. Karl Borromäus die sehr traurige Nachricht erhielten, dass Wilfried gestern verstorben sei, waren wir sehr betroffen und konnten es kaum fassen. Wir wussten: er hatte schon länger mit einer Krebserkrankung zu kämpfen, aber er war zuversichtlich, weil es hieß, er sei soweit stabil. Jetzt hat eine Lungenentzündung ganz rasch und heftig zugeschlagen.

Wilfried hat sich in der Kirchengemeinde St. Karl Borromäus sehr stark engagiert und vieles bewirkt. Wort-Gottesdienste hat er geleitet und es war ergreifend, seine Predigten zu hören. Sehr belesen, literarisch sehr bewandert, theologisch sehr fundiert verstand er es, mit wohl formulierten Sätzen uns das Wort Gottes zu verkünden. Die Gemeinde hat sich auf diese Predigten regelrecht gefreut.

Seine große Leidenschaft war die Kirchenmusik. Er hat jedes Jahr in der Karwoche die Schola zusammengerufen, um den Karfreitagsgottesdienst ansprechend mit lateinischen Chorälen zu gestalten. Er hat jahrelang in der Winnender Kantorei und im Kirchenchor von St. Karl Borromäus mitgesungen.

Als die Entscheidung zu treffen war, in unserer Kirche eine neue Orgel einzubauen, war seine Stunde gekommen. Auf seine Initiative hin wurden Orgelwerkstätten besucht, verschiedene Orgel in unterschiedlichen Gemeinden angehört, eine Entscheidungsgrundlage für den Beschluss im KGR erarbeitet. Nach der feierlichen Einweihung der neuen Orgel hat er sich als Vorsitzender des Orgelbaufördervereins und später des Vereins für Kirchenmusik dafür eingesetzt, dass Orgelkonzerte mit renommierten Organisten stattfinden konnten. Das wichtigste Konzert war für ihn das Dreikönigskonzert.

Apropos Dreikönig. Dieser Tag war für ihn ein besonderer. Im Gottesdienst wurden die Sternsingergruppen empfangen, auch seine, die er mit sichtlicher Freude betreute und mit der er mit seinem Pilgerhut einzog.

Sich auf den Weg machen, pilgern, Neues entdecken, mit dem Bekannten verbinden – sehr oft durften wir seinen Erfahrungen und Eindrücken lauschen, besonders nach seiner Fahrradtour nach Santiago de Compostela. Er beherrschte wahrlich die Kunst des Erzählens und ließ sich ständig durch Konzert- und Museumsbesuche anregen.

Lieber Wilfried, Dein irdisches Leben ist zu Ende gegangen. Gott kennt Dich, kennt Deine Stärken, sicher auch manche Schwächen. Aber Du wirst hoffentlich spüren, dass die Liebe Gottes alles umfasst und er Dir seinen Frieden schenkt, er Dich an seiner Fülle teilhaben lässt, Dir ein neues Leben, so wie er es durch Jesus verheißen hat, ermöglicht. Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben – so spricht Jesus im Johannesevangelium. Du hast diesen Worten vertraut.

Rupert Kern